
Wertschätzende und transparente interne Kommunikation sind entscheidend dafür, dass sich Mitarbeitende während der Corona-Krise engagiert und loyal gegenüber ihrem Arbeitgeber verhalten. Das zeigen die Ergebnisse einer Befragung unter rund 1000 Arbeitnehmenden in Österreich.
Die COVID-19 Pandemie stellt die Kommunikationsverantwortlichen in Organisationen vor besondere Herausforderungen. Oberstes Ziel ist es, die Fähigkeit der Organisation zu geordneter Kommunikation und Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten, um negative wirtschaftliche Folgen abzumildern. Dafür braucht es die Unterstützung der Stakeholder, allen voran der Mitarbeitenden. Egal, in welche Situation die Krise eine Organisation gestürzt hat, ein hohes Maß an Engagement und Loyalität seitens der Mitarbeitenden ist entscheidend, um die Krise zu bewältigen und deren potenziell negative Auswirkungen auf zukünftige Entwicklungen abzumildern. Hierfür bedarf es einer effektiven internen Unternehmenskommunikation.
Doch welche Art von interner Unternehmenskommunikation kann dazu beitragen, Engagement und loyales Verhalten der Mitarbeitenden auch in so einer kritischen Situation aufrechtzuerhalten oder gar zu fördern? In einer Befragung unter 1068 Arbeitnehmenden in österreichischen Organisationen sind wir dieser Frage am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien auf den Grund gegangen. Die Befragung fand zwischen dem 6. und 18. April 2020 statt und somit 3 bis 4 Wochen nachdem die österreichische Bundesregierung am 16. März beträchtliche Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens angeordnet hatte, was massive Auswirkungen auch für die Wirtschaft nach sich zog.
Unsere Befragungsergebnisse zeigen, dass ein hohes Job Engagement und ein loyales Verhalten in Form von positiver Fürsprache für den Arbeitgeber vor allem von solchen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gezeigt wurde, die sich ihrem Arbeitgeber emotional verbunden fühlten. Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor war, dass die befragten Mitarbeitenden die Entscheidungen ihres Managements akzeptierten. Welche Formen von interner Kommunikation sind nun aber ausschlaggebend dafür, dass sich Mitarbeitende emotional verbunden fühlen und die Entscheidungen ihres Managements akzeptieren?
Als wichtigster Treiber für die Verbundenheit mit dem Arbeitgeber stellte sich die Kommunikation von Wertschätzung heraus. Konkret heißt das, dass Organisationen, die ihren Mitarbeitenden offen mitteilten, wie sehr sie ihre Unterstützung während der Krise schätzten, am meisten emotionale Verbundenheit herstellen konnte. Aber auch ein partizipativer Kommunikationsstil half dabei, die Verbundenheit zu fördern. Das schließt ein, dass die Mitarbeitenden gefragt werden, welchen Bedürfnisse sie haben und ihnen darauf basierend detaillierte Informationen gegeben werden.
Für die Akzeptanz der Managemententscheidungen während der Krise spielten jedoch vor allem andere Formen der internen Kommunikation eine Rolle. Hierfür war entscheidend, dass die Kommunikation transparent war, d.h. relevant, rechtzeitig, vollständig und leicht zu verstehen. Außerdem wurden Managemententscheidungen dann eher akzeptiert, wenn die Mitarbeitenden über die Auswirkungen der Krise in ihrer Organisation und auf ihren Arbeitsplatz gut informiert wurden.
In der Krisenkommunikationsliteratur wird oft betont, dass die Organisationsleitung zu Beginn einer Krise die Kontrolle übernehmen, schnell handeln und in der unsicheren Situation einen Eindruck von Entschlossenheit erwecken soll, sodass die Mitarbeitenden die gewählten Entscheidungen akzeptieren. Dieser Zugang wird im Wesentlichen von unseren Ergebnissen gestützt, denn die Akzeptanz der Managemententscheidungen war umso höher, je klarer und schneller die relevanten Informationen kommuniziert wurden. Allerdings ist damit noch nicht das Ziel erreicht, dass die Mitarbeitenden auch das gewünschte unterstützende Verhalten zeigen, denn Akzeptanz ist nur schwach verhaltenswirksam. Es liegt also nahe, einen eher autoritären Führungsstil in der Krise möglichst bald durch einen partizipativen wertschätzenden abzulösen, sodass emotionale Verbundenheit und schließlich unterstützendes Verhalten gefördert werden.
Die vollständigen Ergebnisse der Befragung sind in der Juli-Ausgabe des prmagazins nachzulesen:
http://www.prmagazin.de/aktuell/meldungen/details/das-aktuelle-heft-072020.html
